Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen:

Das ist der Monatsspruch für den Monat Juni aus der Apostelgeschichte.
Es ist ein starker Satz voller Freiheit. Aber er hat auch seine Schwierigkeiten. Gerade in den brodelnden Diskussionen um die Meinungsfreiheit. Darf in Amerika oder in französischen Zeitschriften alles gesagt werden, was auch gedacht wird? Und muss dagegen nicht alles gesagt werden dürfen, was gedacht wird, ohne Gefängnisstrafen oder Gewalt? Das wird sich wohl immer im Einzelfall entscheiden müssen.

Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen: Ich denke in diesem Monat auch an unsere Konfirmanden. Gott mehr gehorchen als den Menschen, insbesondere den Eltern – wie wunderbar klingt das! Aber es geht ja nicht darum, sich von mahnenden Stimmen und elterlichen Ratschlägen zu befreien, sondern darum, einem von menschlichen Bedingungen unabhängigem Leitstern im Leben zu folgen. Die große Chance liegt darin, aufrecht im Vertrauen auf Gott zu gehen. Und das kann auch bedeuten, dass ich gerade die Worte von nahen Menschen ernst nehme und gut höre. Diese Form von Gehorsam gehört in die Nähe von hören. Und würde dann heißen, dass ich diese Stimmen unterscheiden lerne.

Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen: Ich will, ich will, ich will meine Suppe nicht, so zetert der Suppenkasper bei Wilhelm Busch. Da gehorcht einer nur einem Menschen, nämlich sich selbst. Und das ist auch Teil des Bibelwortes. Meinen Willen nicht absolut zu setzen: das heißt auch, Gott mehr zu gehorchen als den Menschen. Und das ist ein lebenslanger Prozess. Denn das richtige Gefühl zu haben, wann ich mich auf mich verlassen muss und wann nicht – das ist nicht einfach. Schlussendlich überwiegt für mich der befreiende Gedanke, dass mein Folgen und Nachfolgen in erster Linie dem Höchsten untersteht.

Ich grüße Sie herzlich und wünsche Ihnen eine gute Sommerzeit,
Ihre Pfarrerin Friederike Kaltofen