Im Religionsunterricht:

sie kommt bald wieder, die helle Zeit, da sind Türen, Herzen und Hände zum Aufmachen wartend bereit; die Sinne geschärft auf das Wunder gefasst – da ist unser Licht, das aufgeht, zu Gast. Das Licht mit funkelndem Haar – es sinkt aus der Höhe so glockenklar In Frieden und Stille ruht der versöhnte Wille. Es wechselt der Alltag das Gesicht: es ist die Liebe Gottes, die zu dir spricht.

Dann frage ich: um welche Zeit geht es? Und sofort kommt die Antwort: um die Weihnachtszeit.
Und dann von hinten der Kommentar: nicht schon wieder Weihnachten, da tun immer alle so, als ob sie sich mögen würden.

Anders gefragt, liebe Leser: Wie echt ist Weihnachten?

In diesen Wochen scheint es wirklich etwas heller in der Welt zu sein. Scheinen sich die Menschen tatsächlich etwas mehr umeinander zu bemühen. Sind Geselligkeit, Gemütlichkeit und eine besondere Atmosphäre so lebendig. Auch trotz der Überladenheit an Veranstaltungen, dem lauten Weihnachtsgeschäft und dem Gedränge der Märkte. Ist das eine Form von Selbstbetrug? Offenbar rührt die Advents undWeihnachtszeit etwas im Inneren an, was sonst zwar auch da wäre, aber gerade dann in den Blick kommt: Das (Weihnachts) licht. Das Licht, das hunderttausendfach verstärkt in die Städte, Dörfer und Häuser fällt, spricht ebenso verstärkt von der Liebe Gottes. Und das Besondere: nämlich diese Zuwendung Gottes, ist eigentlich immer da. Aber Weihnachten hat die Macht, dieses unendlich Große in einen Moment zu fassen. Diese Zeit gaukelt mir damit nicht etwas vor, was künstlich hergestellt wird. Sondern lässt zur Abwechslung die guten Kräfte in der Schöpfung zu Wort kommen.

Und in genau dieser Klasse geht das Gespräch um diese besondere Zeit weiter: wir stellen fest: zu Weihnachten, da feiern wir das Leben. Also auch ein bisschen uns selbst. Da geht es aber vor allem um den Anfang, um das Schöne, die Geburt von etwas Neuem.

Und aus derselben hinteren Ecke, wo es eben noch so kritisch klang, schwebt ein Satz durch das Klassenzimmer: „Das heißt für mich: das Leben ist wichtiger als alle Siege dieser Welt.“

In diesem Sinne wünsche ich uns allen eine helle Advents- und Weihnachtszeit und einen guten Jahreswechsel,

Ihre Pfarrerin Friederike Kaltofen