Liebe Leser des Kirchenboten,

zur Konfirmandenrüstzeit kamen wir mit den Jugendlichen an einem sehr kalten Tag zu einem Gehege. Zwei Kamele waren darin und wir davor. Als wir ihre Herkunft und ihre Namen vom Besitzer wussten, traten die ersten etwas mutiger auf sie zu, aber sie entzogen sich. Der Besitzer sagte freundlich: „Ihr müsst über die Nasen der Tiere pusten. So lernen sie sich nämlich kennen.“ Das ging schon besser. Doch die eigentliche Mutprobe war dann das Füttern. Das Knäckebrot, was die Tiere sehr mochten, sollten wir mit dem Mund hinreichen. Und ganz sanft und vorsichtig schlossen sich die weichen Kamellippen nur um das Knäckebrot, ohne jede Berührung. Ich konnte nicht sehen, wer da mehr Respekt voreinander hatte, aber es war ein Moment, der vollständig vom guten Glauben geprägt war.
Daran musste ich denken, als ich den Vers für den Monat Mai las. Er steht im Hebräerbrief, im 11. Kapitel: Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht darauf, was man hofft und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.
Entscheidend ist für mich daran das Vertrauensverhältnis, das zwischen dem Einzelnen und Gott besteht. Beide müssen sich das entgegenbringen. So wie nicht sicher war, ob das Kamel unberechenbar nach dem Knäckebrot schnappt, so unsicher war es umgedreht, ob das Hinreichen auch ernst gemeint war. Nicht sehen, nicht wissen und doch aufeinander zugehen: das ist Glauben, das ist Zuversicht, das ist Vertrauen.

Das wünsche ich uns und eine gute Sommerzeit,

Ihre Pfarrerin Friederike Kaltofen